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Mich gibts noch

Tschuldigt das ich mich so lange nicht gerührt habe, aber ja, mich gibts noch.

Was ist also passiert?


 Verfasst am: 26.03.2007, 16:44     Titel: 



Schönes Wetter heute. Hab das Küchenfenster geputzt und einbißchen
Wäsche gewaschen. Ist etwas umständlich, ich hab keine Waschmaschine
 und der Waschsalon ist auch nicht ganz billig und ist bloß ein Automat 
da und keiner der kassiert, also Münzen sammeln. Den Salon nehm ich 
nur für Bettzeug, aber das muß ja zum Glück nicht so häufig. 

Ich war auch draußen, ja war ich. Bin zum Comet und wieder zurück für
zwei Bratwürstchen. Klingt armseelig, für zwei Bratwürstchen zum Comet. 
Aber irgendwie brauch ich ein Ziel wenn ich raus gehe und joggen war mir 
heute noch nicht nach. Tja und nun sitze ich wieder in meiner Wohnung 
und fühl mich ausgepauert. Hab mich etwas hingelegt. Nein, nicht zum 
schlafen, ich schlafe sowieso nicht viel. Wenn ich liege dann denk ich 
bloß, guck aus dem Fenster den wiegenden Ästen zu und lass mich von 
der Bewegung in meinen Gedanken tragen. Scheint so als müsse sich 
etwas bewegen, entweder ich oder das was ich sehe damit meine 
Gedanken fließen können und nicht blöde Purzelbäume wie eine 
Waschmaschine ausführen. Was hab ich gedacht? Wenn ich das man 
noch wüßte, mal dies mal das, nichts problematisches und irgendwie 
schon wieder vergessen. 

Nach Ostern wirds besser, sag ich mir. Da beginnt der Chor, ich hab
wieder Thera, Reiten ja sowieso, drei Tage in der Woche schon mal etwas 
vor und alles drei eigentlich dazu da mir gut zu tun. Sind nurnoch 
einpaar Wochen, also Augen zu und durch. Klingt so einfach wenn mans 
sich selbst sagt, wenn man aber matt und müde ohne schlafen zu 
können vor dem Rechner hockt dann sieht die Sache anders aus. 

Hab ein bißchen auf DeviantArt hin und her geräumt und Bilder hoch
geladen die ich vor meinem Umzug blöder Weise runter geschmissen 
hatte. Manchmal bin ich halt ein Drömmel und trickse mich selbst aus. 
Passiert mir oft, das ich irgendwas auf oder ausräume und versehentlich 
vernichte wobei ich es eigentlich sichern wollte - so wie sweet intuitions 
Tarot reading für mich und P. Scheibenhonig, genau das wollte ich 
vermeiden. 

Im Augenblick suche ich händeringend nach etwas sinnvollem was ich tun
könnte und was mir spaß machen würde. Der limitierende Faktor ist leider
 der Spaß. Mir macht heute nichts Spaß. Ich fühl mich gelangweilt und 
abgenervt und kraftlos, Spaß hab ich keinen. Es gäbe soviel was ich tun 
könnte, aber im Grunde denk ich jetzt schon wieder daran ins Bett zu 
kriechen und ne Runde weiter zu denken. An nichts problematisches, 
bloß nicht triggern, bloß die Dämonen nicht aus dem Schrank lassen. 
Weiß nicht, irgendwie erscheint mir dieses krampfhafte Versuchen mich 
nicht zu triggern als kontraproduktiv. Also doch durch, mittemang durch 
die 7 Höllen und wieder zurück? Wenns ein Zurück gibt? Schon drollig wie 
abhängig man von Therapie wird, glaubt nur dadurch wieder stabil werde 
zu können, wieder raus zu finden aus der Abyss. Ist das nur eine Art 
Entzugserscheinung oder stimmt es? Vielleicht sollte ich mir echt nicht zu 
viele Gedanken darüber machen worüber ich lieber nicht nachdenken 
sollte sondern sie auch einfach laufen lassen. 

Beim Beten gelingt mir das häufig. Ich zünde eine Kerze an und schaue
ins Licht und erzähl laut was mir durch den Kopf geht, wie wenn ich in 
Therapie wäre. Jeder andere würde sich kaputt lachen wie ich bete, aber 
mir hilfts irgendwie auch wenn Gott mir keine therapeutisch 
unterstützenden Kommentare gibt. Alleine es laut auszusprechen ist 
schon die halbe Miete und zu wissen, das ich IHM nichts vormachen 
kann und muß. 

Mhmmm, weiß auch nicht. Im Augenblick ist mein Kopf ganz leer und
meine Emotionen bis auf die Müdigkeit stumm. 



Verfasst am: 27.03.2007, 12:34 Titel:


Kommt mir ganz komisch vor. Eigentlich sollte ich mich freuen und hoffen
das I. das in Braunschweig hinbekommt und mich in ihr Team aufnimmt. 
Wäre wieder Biologie, Laborarbeit, Tumorforschung. Wieder full circle? 
Ich hab mal mit Tumorforschung angefangen, damals 99 in meiner 
Diplomarbeit. Sie hat ein Präparat gefunden was das Tumorwachstum 
reduziert und eventuell publiziert sie sogar in Nature und kriegt ihre 
eigene kleine Arbeitsgruppe in Braunschweig. Sie hat mich gefragt ob ich 
mit ihr da arbeiten würde. Sie wünscht sich jemanden auf den sie 
vertrauen könnte. ... Wieder zurück ins Labor? Ich hab es mal geliebt. 
Ich hab damit abgeschlossen und wollte nächstes Jahr mit meinem 
Psychologie Fernstudium anfangen. Die Fernuni Hagen bietet ab SS 
nächsten Jahres Psychologie auf Master und Bachelor an. Dieses 
Semester hab ich mich in Bildungswissenschaften eingeschrieben um 
schon mal ein bißchen was zu tun zu kriegen was in Richtung Psychologie 
geht. I. redet schon davon seit ich von Johannesburg zurück bin, aber 
es war immer eine große rosa Seifenblase und schien nie konkret zu 
werden. Plötzlich scheinen die Gelder gesichert, die Kooperation 
spruchreif und damit auch die Mitarbeiterfrage akut zu werden. Sie hat 
mich gestern Abend angerufen und ich steh da und denke - ein Teil von 
mir WILL, der andere Teil WILL NICHT. 

Ich bin ganz verwirrt. Natürlich wäre es großartig wieder regelmäßig zu
arbeiten, seine Arbeit in einem Projekt zu investieren das ganz 
offensichtlich funktioniert, mit einer Leiterin die weiß was sie tut und noch 
dazu eine alte Freundin von mir ist. Ich würds nicht für meine Karriere tun,
 die ist tot, aber ich würds für den Fun tun mit I. an etwas zu arbeiten was 
gezeigt hat das es potential hat ein wirksames Krebsmedikament zu 
werden. Die Daten sehen zu genial aus und I. ist eine so ehrliche Haut 
das ich mir bei ihr keine Sorgen machen muß das sie genauso wird wie 
meine letzten Chefs. Und ich hätte GELD! Ich könnte P. besuchen! Und 
wenn er nach Europa kommt könnten wir uns wenigstens jedes WE sehen! 
Aber was wird mit meiner Therapie? Was mit meinem Reiten? Mit meiner 
schönen Wohnung? Dem Leben das ich gerade erst angefangen habe neu einzurichten? 

Oh Gott, es ist noch nicht mal raus das ich die Stelle kriege weil I. die
Zustimmung ihres Chefs bei der Personalentscheidung braucht. Aber 
wenn? Sie kommt heute Abend vermutlich um ihr Referat weiter zu üben. 
Ich helfe ihr dabei weil sie damit immer zu kämpfen hat und wir haben 
das Ding schon fast soweit das sie es frei in Englisch halten kann. Wird 
sicher wieder ein schöner Abend mit ihr und eventuell bleibt sie wieder 
über Nacht, dann haben wir mehr Zeit für den Vortrag und natürlich das 
Quatschen. Mein nächstes Ziel Braunschweig? Ich weiß noch nicht, es 
klingt verlockend und auch beängstigend. Noch hab ich ein bißchen Zeit 
zum Überlegen. Aber wenn sie mich konkret fragt, hab ich dann 
überhaupt noch eine Wahl? Und warum will ich nicht mehr? Ich tue es 
nicht für meine Karriere sondern für das Projekt und den Spaß an der 
Arbeit. Und ich weiß noch wie sehr ich die Arbeit geliebt habe. Ich hab 
eine Zeitlang während meiner Doktorarbeit geglaubt ich würde verrückt 
vor Freude darüber das ich tun könnte was ich liebe und auch noch 
bezahlt wurde dafür! Erst das Ausland und mein Versagen hat mir diese 
Freude gründlichst ausgetrieben. 

Gut das ich die Entscheidung noch nicht gleich fällen muß. Ich bin ehrlich
gesagt ziemlich zerrissen in mir. Arbeiten mit I. - das kann total 
wundervoll werden, etwas über das wir seit unserer gemeinsamen 
studienzeit geredet haben. Es wäre ein alter Traum der Wahrheit werden 
würde. Ich sehe uns schon ganze Nächte mitten zwischen den Unterlagen 
im Labor sitzen und darüber diskutieren welche Mechanismen wirksam 
sind. Auf der anderen Seite - ist es das was ich wirklich will? Herrjemine, 
die letzten drei Jahre haben mich echt gescrewed. 



Verfasst am: 01.04.2007, 10:47 Titel:


Okay, ich hab meinem Eichhörnchen beim futtern zugeguckt. Hab ihm viel
 zu viel Walnußkerne rausgelegt und gleich machts bestimmt peng und 
dann ist der kleine Fresser geplatzt.  
Ich kämpfe meine Panik runter obwohl ich schon wieder e-mail gecheckt
hab. Ich muß das bleiben lassen! P. gehts gut, er ist heute morgen bloß 
nicht so flott. Scheiß Internet zu Hause. Das war wirklich keine brilliante 
Idee. Als ich noch zur UB mußte konnte ich Sonntags von P. träumen und 
mich auf Montags freuen und er hatte alle Zeit der Welt mir zu schreiben 
wann er wollte ohne das ich in Panik verfiel (nur in der Zeit wo ich seine 
e-mails über den gmx account laufen ließ und die mir seine e-mails 
manchmal nicht geschickt haben war ich Montags panisch, aber zum 
Glück hatte ich zu der Zeit Montags auch Thera und Manfred holte mich 
dann wieder runter von der Palme). 

S

Verfasst am: 04.05.2007, 17:15 Titel:


Tja wenn ich gewußt hätte was der Traum alles auslöst. Hatte ihn mit zur
Thera genommen und wir hatten über meine Familiensituation gesprochen
. Ich ging nach Hause, dachte nach und schrieb meinem Bruder die 
Gründe warum ich auszog. Er reagierte verständnisvoll, war auf meiner 
Seite, ganz wie im Traum. Meine Mutter war in dem Traum nicht enthalten.
 Ich versuchte es ihr auch zu erklären, hoffte auf mehr Verständnis und 
wurde enttäuscht. Wie mein Thera und auch P. mir sagten - sie konnte 
gar nicht anders als mich enttäuschen, da für sie nur in dieser Situation 
überleben kann wenn sie nicht versucht mich zu verstehen. Zu erkennen 
was mit mir ist würde zwingend hervorrufen zu erkennen was mit ihr ist 
und dann müßte sie sich fragen was zur Hölle sie da eigentlich seit fast 
50 Jahren macht. Man kann nicht einfach hingehen und 50 Jahre als 
Fehler einsehen, sowas bringt einen um, denn die 30 Jahre die man 
vielleicht noch hat wären ja ein schlechter Witz dagegen. 

Ich sag nicht das es mich nicht verletzt hat. Hat es. Aber ich verstehe es.
Es macht mich nur leider zur bösen Tochter die nicht mehr nach Hause 
kommt, und böse muß das ja sein sonst käme ich ja nach Hause. 
Aber ich habe zumindest die Beziehung zu meinem Bruder festigen 
können. Und auch als mein finanzielles Desaster offensichtlich wurde 
hält er immer noch tapfer zu mir. Ich habs gestern noch P. geschrieben, 
ich hab den besten Bruder der Welt. Er war für mich da als kleines Kind 
und er ist immer noch für mich da, auch wenn er sich so sehr abgekapselt 
hat das ich nicht mal erahne was er den ganzen Tag tut in seinem nicht 
so irre großen Zimmer. 

Ich hab die letzten zwei Wochen sehr viel über mich selbst gelernt. Nicht
alles davon ist sehr positiv, aber auch nicht alles sehr schlecht. Ich denke 
wirklich das mich die Depression dazu bringt zu wachsen. Jung würde 
sicher sagen, ich habe begonnen Anteile meines Unterbewußtseins an 
mein Ich zu binden wobei dieses größer wird und mehr von meinem 
Selbst einzunehmen beginnt. Ja, ich lese immer noch Jung neben 
meinen Studien. Ich mag den Behaviourismus und Kognitionismus nicht 
und Piagets Konstruktivismus hab ich vorher nie gekannt, merke aber 
auch das er nicht im Mindesten an Jung tippen kann. 

Nächstes Jahr wird nun Psychologie wohl doch nur auf Bachelor angeboten
und wie es aussieht nur der kognitivistisch/behaviouristische Teil der 
Psychologie, da kein Master angeboten wird der auch die Psychoanalyse 
und Tiefenpsychologie mit beinhalten müßte. Ich weiß noch nicht ob ich 
dann wirklich von BiWi wechsle oder doch lieber BiWi durchziehe, oder ob 
ich richtig Tabula Rasa mache und mich doch für Psychologie an einer 
Präsenzuni bewerbe. Allerdings hab ich keinen Schimmer wie ich das 
finanzieren soll. Ein Modul BiWi schaff ich so grad mit ALGII. 

Aber was mach ich mir den Kopf um Dinge im nächsten Jahr? Dieses Jahr
ist schon unsicher genug. Was wird mit P.s Mom? Kommt er her? 
Krieg ich den Job in Braunschweig? Wenn ich den hab, dann werd ich für 
viel studieren ohnehin keine Zeit mehr haben sondern mit I. Tag und 
Nacht im Labor hocken. Ich versuch nicht zu viel Hoffnung darauf zu 
setzen, mich zu schützen in dem ich es noch aus meiner Perspektive 
verdränge, aber es ist schwer. So viele Probleme würden sich mit einem 
Schlage lösen wenn ich den Job dort kriegen würde. Klar, ich würde Bremen
 verlassen müssen, aber ich würde meine Thera behalten können. Ich hab
 mit I. abgesprochen das ich dann den Tag der Therapie nicht im Labor 
sein würde, sie wäre einverstanden und unterstützt mich sogar seit 
geraumer Zeit. I. ist auch so ein Fall von dem man erst nach und nach 
erkennt was man an ihr hat. Ich mochte sie immer schon gerne, wir 
haben uns spontan zusammen getan, aber sie überascht mich noch 
immer stetz und meist positiv nach 10 Jahren, die wir uns nun schon 
kennen. Mensch, ich brauch den Job, ich brauch ihn wirklich so dringend! 
_________________


Verfasst am: 19.05.2007, 16:29 Titel:



Die Sonne scheint und ich kann mich daran erfreuen. Mir passieren blöde
Dinge und ich weis - ich bin nicht schuld. Ich liebe P. und vermisse ihn, 
aber ich verzweifle nicht daran. Ich habe keinerlei Gedanken an den Tod 
mehr, im Gegenteil versuche meine Zukunft mit all ihren Eventualitäten 
zu planen. Mein Therapeut sagt - die depressiven Anzeichen sind weg. 
Zwar empfinde ich immer noch Trauer über meine Familiensituation, 
Angst über meine ungewisse Zukunft - aber das gehört zu einem 
normalen Leben dazu, sagt er. 

Vor zwei Jahren hätte ich danach nicht fragen müssen sondern gewußt es
gehört dazu. Irgendwie fällt es schwer nach der Krankheit zu erkennen 
das das, was die Krankheit von einer schlichten situationsgebundenen 
Verstimmung unterscheidet nicht mehr da ist. Da muß erst mein 
Therapeut den Finger drauf zeigen und sagen - guck mal, so hast Du 
reagiert als wir uns kennen lernten und jetzt reagierst Du aber so. Und er
 hat Recht! Vor einem halben Jahr hätte ich dumpf brütend aus dem 
Fenster gestarrt, mich nicht rühren könnend, immer nur an dem 
Gedanken festhalten - ich darf nicht gehen wegen P.. Wiederholt sich die 
gleiche Situation jetzt werf ich mich zwar erstmal heulend aufs Bett, aber 
berappel mich nach ner Weile, putz mir die Nase und geh zur 
Tagesordnung über ohne lange darüber nachzugrübeln. Ja, es hat sich 
was getan und ich habs gar nicht wirklich gemerkt.  


















 

21.5.07 16:11
 


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